Serge Brignoni
Serge Brignoni wurde 1903 in Chiasso geboren. 1907 siedelt die Familie nach Bern über. Brignoni besuchte 1919 die Gewerbeschule und die Aktklasse der Malschule Victor Surbek. 1922/23 wechselte er
an die Hochschule für bildende Künste in Berlin-Charlottenburg und siedelte anschliessend nach Paris über, das er 1940 wieder verlassen musste. 1924 Besuch der Akademie André Lhote in Paris,
1929-1932 Aufenthalt in Collioure, 1933/34 Aufenthalte in Spanien. In Paris Bekanntschaft mit Lipchitz, Brancusi, Richier, Paalen und vor allem Alberto Giacometti und Otto Bänninger. In Collioure
traf er sich mit den Basler Malern Otto Abt, Walter Bodmer und Walter Kurt Wiemken. Ende der zwanziger Jahre lernte er die Südseeplastik kennen, die er zu sammeln begann. 1935 Teilnahme an der
internationalen Surrealisten-Ausstellung in Kopenhagen, London, Paris, Amsterdam, New York, Santiago de Chile und Mexiko. 1935 Heirat mit der 1908 geborenen Malerin Graziela Aranis aus Santiago
de Chile. Ab 1940 war er wieder in Bern, wo er einige Aufträge für Kunst im öffentlichen Raum erhielt, 1954-1956 Lehrer für angewandte Malerei an der Kunstgewerbeschule Zürich. 1985 stiftete er
seine bedeutende Sammlung von Südseeplastik der Stadt Lugano, die 1989 das Museum für aussereuropäische Kulturen in der Villa Heleneum eröffnet. 1996 Tod von Graziela Aranis und
Wiederverheiratung mit Marlyse Haller. 1997 grosse Retrospektiv-Ausstellung im Kunstmuseum Bern. 2002, am Dreikönigstag, stirbt Serge Brignoni in Zollikofen BE.
Serge Brignoni zählt zu den bedeutendsten Schweizer Künstlern der Gegenwart, dessen Tätigkeit auch international beachtet wurde. Nach Studien in Berlin begab sich Brignoni nach Paris, das er noch
in der malerischen, bohèmehaften Atmosphäre der Vorkriegszeit erlebte. Unter anderem hatten ihn Picasso und seine Kunst angezogen; er erlebte den Kubismus, den Surrealismus aus erster Hand, bis
ihn schliesslich der Krieg zur Rückkehr nach Bern zwang.
In seinen ersten Arbeiten verschreibt er sich dem Thema Landschaft. Die Veränderungen und Abläufe der Natur inspirieren ihn zu künstlerischen Werken von dynamisch-komplexer Ausprägung in
spätimpressionistischer Tendenz. Später beschäftigt er sich mit neuen Lösungen im Bereich Licht-Farbe und Form-Raum und kommt zu neuen Themen: Irrationales und magische Kräfte klingen an.
In seiner geistigen Haltung versteht sich Brignoni von Anfang an als Surrealist, indem er in seiner Kunst auf das verweist, was sich hinter den Dingen verbirgt. Er sucht romantische,
metaphysische und poetische Bildvorstellungen gleichzeitig auszudrücken, was für ihn nicht gegensätzlich zu sein braucht.
Die Bildgestaltung seiner organischen Formen und intensiven Farben geht in persönlicher und konsequenter Umsetzung auf letztlich surrealistische Grundlagen zurück. Das Fliessende, die
Verwandlung, Abläufe in der Natur, aber auch weite kosmische Landschaften, weibliche Figuren und Pflanzen sind zu seinen immer wieder variierten Themen geworden – und dies in verschiedensten
Techniken wie Malerei, Collage, Radierung und Plastik.
Seine Bilder, in denen sich Konturlinien frei verschieben und Farbformen einander überlagern, sind kompositionell raffiniert ausbalanciert; sie oszillieren zwischen einer vegetabil-organischen,
naturalistischen und einer eher konstruiert-abstrakten, geometrischen Tendenz. Immer jedoch stehen seine Farben und Formen in einem ausgewogenen Gleichgewicht.
Brignonis Bilder eröffnen phantasievolle neue Welten; sie ermutigen den Betrachter, sich seinen Assoziationen und Ahnungen hinzugeben und so nach Möglichkeit eigene Erlebnisse aus diesem
Abenteuer zu ziehen.
Steffan Biffiger, Kunstkritiker AICASerge und Graziela Brignoni-Aranis-Stiftung
Serge & Graziela Brignoni-Aranis-Stiftung